Bernhard Hauff am 04. Juli 1866 – vor 150 Jahren in Holzmaden geboren

Bernhard Hauff im Schieferbruch_kleinPionier der Fossilienpräparation

1866 im Geburtsjahr von Bernhard Hauff schrieb Oscar Fraas, Konservator am Königlichen Naturalienkabinett in Stuttgart, über die Saurierfunde bei Holzmaden, einem kleinen Ort im Vorland der Schwäbischen Alb: „Da liegen sie in ihren vieltausendjährigen Steinsärgen, vom Schiefer dicht umhüllt…“

Kaum 25 Jahre später wusste die Wissenschaft sehr viel mehr über die versteinerten Überreste der Tiere, deren Alter nicht mit Jahrtausenden, sondern mit Jahrmillionen beziffert werden muss. Auch die Bildungsbürger der damaligen Zeit, inspiriert von der Darwin’schen Evolutionstheorie, begeisterten sich für die urzeitlichen Schätze aus den Holzmadener Schieferbrüchen. Vor 180 Millionen Jahren waren sie in den konservierenden Schlamm eines Meeres abgesunken, das 60 Millionen Jahre lang ganz Europa bedeckte.

Am Wissenszuwachs über die Fossilien des Schwarzen Jura hat Bernhard Hauff, am 4. Juli 1866 in dem 560-Seelen-Dorf Holzmaden geboren, einen bedeutenden Anteil. Sein Vater Alwin Hauff hatte sich noch von Schieferöl, gewonnen aus einem Schieferbruch, ein gutes Geschäft versprochen – ein Unterfangen, das angesichts der Konkurrenz des eingeführten Petroleums bald zum Scheitern verurteilt war. Sohn Bernhard dagegen interessierten schon als 16-Jähriger sehr viel mehr die Überreste der Ichthyosaurier, Meereskrokodile und Seelilien, die Jahrmillionen in den Schichten des Posidonienschiefers eingelagert waren. Er legte die versteinerten Lebewesen zunächst mit einfachen Werkzeugen frei. Damit begeisterte er Wissenschaftler aus Tübingen und Stuttgart, gewannen sie doch durch die präzise Präparation von Bernhard Hauff neue Erkenntnisse über das Aussehen und die Lebensweise der Ichthyosaurier. Seine Freilegung eines 1,20 Meter langen Ichthyosauriers mit fossil erhaltenen Haut- und Muskulaturresten kam 1892 einer Sensation gleich: Jetzt konnten die Umrisse dieser Meeresbewohner genau rekonstruiert werden. Holzmaden ist seitdem unter Paläontologen weltweit ein Begriff für erstklassig erhaltene und präparierte Fossilien aus der Jurazeit.

Hauff arbeitete als einer der ersten Präparatoren unter dem Stereomikroskop. So legte er Zentimeter für Zentimeter Hunderte von Fossilien frei. Sie sind in allen namhaften Museen im In- und Ausland herausragende Schmuckstücke. Die schönsten Präparate hat Bernhard Hauff als Grundstock in sein eigenes Museum integriert das 1937 eröffnet wurde. 1971 wurde es von seinem Sohn in großem Umfang erweitert und neu gebaut.

Von Anfang seiner Grabungsarbeit an dokumentierte Hauff akribisch die Lage sämtlicher Funde im Schiefergestein. Bald konnte er die ursprünglich recht grobe Einteilung des Posidonienschiefers von drei auf 17 Schichten verfeinern, eine Gliederung, die bis heute gültig ist. Als Forscher und Autodidakt fasste er seine Erkenntnisse 1921 in einer wissenschaftlichen Arbeit zusammen, die bis heute in Fachpublikationen zitiert wird. Von der Universität Tübingen wurde ihm dafür die Ehrendoktorwürde verliehen.

Am 10. Juli 1950 starb Bernhard Hauff im Alter von 84 Jahren.

Heute ist das Urweltmuseum Hauff das größte private Naturkundemuseum Deutschlands und wird in dritter Generation vom Enkel des Gründers, von Rolf Bernhard Hauff und dessen Kindern, verwaltet.